Erstmals am Alten Schauspielhaus zu erleben: Schillers legendäre Version des Freiheitskämpfers Wilhelm Tell! 1804 in Weimar uraufgeführt, bietet das Schauspiel ein politisches Lehrstück im Breitwandformat: die Vergiftung des sozialen Friedens durch Gewalt, geistige Brandstiftung und politische Willkür; der Tyrannenmord als Folge und Voraussetzung für eine zukünftige Demokratie. Eine große Erzählung vom Zusammenhalt der Gesellschaft.

Heimgesucht von den Habsburger Unterdrückern, verbünden sich Abgesandte der Kantone Unterwalden, Uri und Schwyz beim berühmten Rütlischwur. Die Unterdrückung durch den Statthalter Gessler soll beendet, die Freiheit und der Frieden wiederhergestellt werden. Nur einer fehlt: Tell. Der lebt zurückgezogen mit seiner Familie und will sich dem Freiheitskampf nicht anschließen. Doch dann wird er von Gessler gezwungen, seinem Kind einen Apfel vom Kopf zu schießen. Tell tut es – und wird trotzdem gefangen genommen. Nach geglückter Flucht lauert er Gessler in der Hohlen Gasse auf und erschießt ihn. Damit gibt Tell dem Freiheitskampf seiner Eidgenossen die entscheidende Wendung.

Die Geschichte von Wilhelm Tell, dem Schweizer Nationalhelden und Tyrannenmörder, erzählt Regisseur Klaus Hemmerle mit großem Ensemble; darunter Publikumsliebling Andreas Klaue als Werner Stauffacher, erstmals Gian Rupf als Wilhelm Tell sowie Lisa Wildmann als seine Frau Hedwig.

Pressestimmen:

"Mit einer in jedem Falle sehr bemerkenswerten Inszenierung von (...) Wilhelm Tell ist das Alte Schauspielhaus erfolgreich in die neue Spielzeit gestartet." (Ludwigsburger Kreiszeitung)

"Gian Rupf eine ist eine gute Besetzung für diesen grüblerischen Volkshelden (...). Erfrischend ist Hemmerles Idee, ein Gutteil der Rollen mit Frauen zu besetzen, auch Tells Kind ist hier ein mutiges und waches Mädchen (Antonia Leichtle)." (Stuttgarter Zeitung)

"Mit dem Schweizer Gian Rupf hat man für den legendären Freiheitskämpfer eine geradezu ideale Besetzung gefunden: Groß, schlank, kräftig überragt der 52-Jährige alle anderen auf der Bühne. Sein Tell ist ein Naturbursche mit Vollbart und wilder Mähne, ein charismatischer Haudegen, einer, der seine schier überbordende Kraft gelegentlich beim Holzhacken entladen muss. Sinnbildlich bringt er die Wand des „Hauses der Demokratie“, in dem Hemmerle das Stück beginnen und enden lässt, mal kurz aus der Fassung, um ans Ufer des Vierwaldstättersees zu gelangen. Klar, dass sich so einer nicht richtig ins parlamentarische Leben eingliedern ließe, auch wenn er immer beherzt zupackt, wenn andere Hilfe brauchen. Tell lässt sich eben nur von den eigenen moralischen Paradigmen leiten. (...)
Hemmerle hat Schillers Klassiker mit Bedacht ins Heute geholt. Er unterstreicht in seiner Inszenierung die argumentative Seite des Dramas: Hier werden zwar Tyrannen gemordet, aber Andersdenkende, Abtrünnige werden von den zukünftigen Eidgenossen durch Worte auf die eigene Seite gezogen. (...)
Hemmerles Ansatz ist stimmig, kommt es bei Schiller doch erst nach langen Diskussionen und Abwägungen zum berühmten Rütli-Schwur (...), der die Kantone Schwyz, Uri und Unterwalden vereinen wird wider die Habsburger Knute. Also wird das „Haus der Demokratie“ samt Rednerbühne im besten Sinne zur Begegnungsstätte der nunmehr kampfwilligen Unterdrückten – alles unter der Wortführung Stauffachers, der stets einen kühlen Kopf bewahrt. Andi Klaue – als Anzugträger mit rotem Schal – spielt ihn mit dem diplomatischen Ernst eines sozialdemokratischen Parteipolitikers und erinnert darin – wohl nicht ungewollt – ein bisschen an Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier.
Jedenfalls läuft die Uhr ab für den sadistischen, gewalttätigen, dumpfen Machtmenschen Geßler (in schwarzem Ledermantel und mit grauem Zöpfchen: Peter Kaghanovitch), der mit unsinnigen Schikanen die Menschen demütigt und schließlich Tell zwingt, auf sein eigenes Kind zu schießen. Es ist ein pfiffiger Einfall, einige der überwiegend männlichen Rollen mit Frauen zu besetzen. So wird etwa Tells Sohn, der sich vom Vater den Apfel vom Kopf schießen lassen muss, von Antonia Leichtle als mutige, kecke Tochter gespielt. (...)
Ein Großteil des zwölfköpfigen, durchweg spielfreudigen Ensembles übernimmt mehrere der zahlreichen Rollen. Die Maskenbildnerinnen leisten hier ganze Arbeit: etwa im Falle des Rudenz-Darstellers Gunnar Blume, der als Konrad Hunn nicht wiedererkennbar ist.
Kongenial ist die Bühnenmusik von Nina Wurman, die vom Ensemble selbst übernommen wird. Unaufdringlich schafft sie Atmosphäre: ob mit Schweizer Volksliedern oder „Die Gedanken sind frei“, mal gesungen, mal gesummt, mal instrumental unterlegt vom burschikosen Dreigespann Kuoni, Werni und Ruodi (Lisa Wildmann, Antonia Leichtle und Laura Sauer) in Lederhosen, Regenjacke und Daunenweste. Die Drei vertreten schließlich die Interessen der Naturmenschen: Hirten, Jäger, Fischer. Dementsprechend sanft und bordungeerdet ist die Musik, die ihr Trio aus Akkordeon, Posaune und Milchkanne erklingen lässt.
Und schließlich sorgt die Musik auch für eine bemerkenswerte Umdeutung des Schweizer Gründungsmythos. Nicht nur zu Beginn und am Ende dieses durchweg spannenden Abends summen und singen die Menschen auf der Bühne die berühmteste aller Schiller-Vertonungen, Beethovens „Freude, schöner Götterfunken“, seit 1972 offizielle Europa-Hymne, die das Stück subtil in den Kontext europäischer Einheit stellt und seine Botschaft „Wir könnten viel, wenn wir zusammenstünden“ in eine deutliche Richtung biegt." (Esslinger Zeitung)

Besetzung